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Auf der Suche nach der perfekten Nuance

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Das Designer-Duo hat alles im Blick: Marcel Besau und Eva Marguerre. Bild: Silke Zander

Das Designer-Duo hat alles im Blick: Marcel Besau und Eva Marguerre. Bild: Silke Zander

Das Hamburger Design-Studio Besau-Marguerre hat für das deutsche Design-Label Favius einen Beistell- und Couchtisch entworfen. «Sediment», im Januar auf der Kölner Möbelmesse lanciert, spielt mit der Materialität von Marmor. Das Statement-Piece ergänzt die Kollektion des Labels bestens. Ein Gespräch mit dem Designer-Duo über Materialien, Farben und Pingpong.

Ihr Entwurf für Favius ist ein Experimentin Marmor. Wie kam es dazu?

Eva Marguerre: Macht was, was euch gefällt – so lautete das Briefing von Favius. Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen.

Sie haben die Marmorsorten Giallo Reale und Verde Guatemala gewählt. Weshalb?

Marcel Besau: Wir finden Marmor als Material sehr interessant. Wir haben auch in anderen Projekten wie der «Elbe»-Serie für e15 schon mit Marmor gearbeitet. Generell interessiert uns der Ansatz, über das Material in den Entwurf einzusteigen. Die Bearbeitung der Marmoroberflächen hatten wir schon ins Auge gefasst und haben dann mit unterschiedlichen Methoden die Oberflächen bearbeitet. Das Spannende ist die farbliche und die haptische Veränderung des Marmors.

Aussergewöhnlich ist die Verarbeitung des Marmors: Die runde Tischplatte wird von abwechselnd angeordneten rauen und polierten Streifen bestimmt.

Besau: Ja, der Kontrast von glatt und rau, hart und weich interessierte uns. Es ist das taktile Erlebnis, das die Details des Materials besonders hervorhebt.Die Streifen entstehen, in dem die Oberfläche sandgestrahlt wird. Dadurch treten auch die Maserungen und die Einschlüsse im Material stärker hervor. Die zwei unterschiedlichen Farbtönungen und Oberflächenstrukturen erinnern an Gesteinsschichten, so entstand auch der Name «Sediment».

Was hat Sie zum Entwurf inspiriert?

Marguerre: Die Natur ist eine grandiose Inspirationsquelle. Da wir uns mit Naturstein beschäftigt haben, lag es nahe, sich auch mit dessen Herkunft zu beschäftigen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell ist die Geologie überaus opulent. Wir haben uns jede Menge Fotos von Steinbrüchen angesehen, vor allem die Maserungen und Strukturen der Gesteinsschichten haben uns fasziniert.

Möbel Schaller

Worin lag schliesslich die grösste Herausforderung?

Besau: Es ist ein Entwurf, der auf sehr vielen Details und Perfektion beruht. Die Bearbeitung der Marmoroberflächen, sowohl das Polieren als auch das Sandstrahlen, bedarf einer präzisen handwerklichen Umsetzung, ebenso die Fügungen des Holzgestells mit den schmalen Spalten zwischen den Beinen. Dies alles war sehr zeitaufwendig in der Realisierung.

Wie in all Ihren Entwürfen ist auch hier der Einsatz von Farben wichtig.

Marguerre: Genau. Zum einen verändern sich die Farben des Marmors durch das Sandstrahlen: Das Grün wird heller, das Currygelb wird zu Zitronengelb.

Besau: Das Untergestell aus Holz ist in Grün oder Gelb lackiert. Dabei haben wir lange am jeweiligen Farbton getüftelt. Der Effekt ist nun ganz selbstverständlich – eben weil es die genau richtige Nuance ist.

Woher kommt Ihre Sensibilität im Umgang mit Farben?

Marguerre: Mich haben Farben schon als Kind fasziniert. Ich habe schon da die Wohnzeitschriften meiner Mutter zerschnitten und zu farbigen Collagen zusammengeklebt. Heute habe ich oft eine Farbe von Anfang an im Kopf. Ich kann oft auch nicht erklären, warum ich eine bestimmte Farbe auswähle,das ist Intuition und ein kontinuierlicher Prozess.

Besau: Wir haben schon häufiger gehört, dass es mutig sei, wie wir mit Farbenarbeiten. Das habe ich nie so gesehen – denn Farbe ermöglicht immer einen sehr emotionalen Zugang zu Objekten. Farben machen einem eine ganze Welt auf.

Ob Produkt- oder Grafikdesign, ob Ausstellungsgestaltung oder Interiorstyling, Sie arbeiten parallel in ganz verschiedenen gestalterischen Disziplinen. Was können Sie beide am besten?

Marguerre: Es ist tatsächlich die Mischung, die uns ausmacht.Uns ist jeder Bereich gleich wichtig, und die verschiedenen Felder sind ganz selbstverständlich miteinander gewachsen.Wir machen Visual Merchandising genauso wie saisonale Präsentationen, etwa für Laden- und Schaufenstergestaltung, ausserdem Messestände, Pop-up-Stores,
Fotoshootings für Kataloge und Konzepte für Broschüren. Wir haben gerne das grosse Ganze im Blick, die ganze Welt um das Produkt.

Haben Sie eine Arbeitsteilung bei Ihren Prozessen?

Marguerre: Wenn es ums Kreative geht, haben wir keine Arbeitsteilung. Bei jedem neuen Projekt findet zunächst ein Workshop mit allen Mitarbeitern statt.Auch danach setzen wir uns immer wieder zusammen. 

Besau: Unsere Zusammenarbeit ist ein kreatives Pingpong. Die unterschiedlichen Perspektiven von uns allen bereichern die kreativen Prozesse.

Marguerre: Jeder ist Inspiration und Korrektiv.

Vom Deutschen Rat für Formgebung wurden Sie 2014 unter die fünf Newcomer-Finalisten gewählt. Heute gehören Sie zu den einflussreichsten Nachwuchstalenten der deutschen Designbranche. Wie fühlt sich das für Sie an?

Marguerre: Es freut uns sehr, wenn wir so gesehen werden.

Besau: Und wir sind natürlich glücklich darüber, dass das grosse Engagement der letzten Jahre fruchtet. Andrea Eschbach.   

Studio Besau-Marguerre

Eva Marguerre, Jahrgang 1983, und Marcel Besau, Jahrgang 1980, haben Produkt- und Kommunikationsdesign in Karlsruhe und Wuppertal studiert. 2011 haben sie ihr gemeinsames Design-Studio Besau-Marguerre in Hamburg gegründet. Das interdisziplinäre Studio hat sich auf Arbeiten in den Bereichen Produkt- und Innendesign, visuelle Kommunikation und redaktionelle Gestaltung spezialisiert. Die beiden Produktdesigner arbeiten stets mit Materialexperimenten, innovativen Farbkonzepten und kreativer Inszenierung. 2014 wurden die beiden Designer unter die Finalisten des German Design Award gewählt. Seitdem geht es steil bergauf. Heute gilt das Duo als eines der einflussreichsten Nachwuchstalente der deutschen Designbranche. www.besau-marguerre.de