Anzeige

Ein buntes Angebot unter einer Marke

Mit verschiedenen Mobilitäts-, Energie- und Datendienstleistungen will Renault einen Kosmos nachhaltiger und primär elektrischer Mobilität schaffen. Im Kern geht es um Nutzung statt Besitz von Autos.

Ein Baustein von Mobilize: Das Mietangebot Limo, das sich mit seinen Elektrolimousinen speziell an Taxifahrer richtet. Bild: Renault

10.10.2021

Die Digitalisierung dringt in immer weitere Bereiche unseres Lebens vor und verändert dabei auch unsere Gewohnheiten und Konzepte von Konsum, Nutzung und Besitz. Statt sich einen Film auf einem Datenträger zu kaufen, ist es mittlerweile üblich, ihn in einer Cloud zu parkieren oder zu streamen. Das physische Eigentum hat in vielen Bereichen an Bedeutung verloren.

Das gilt zunehmend auch für die Autowelt. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, auf echte Schalter im Cockpit zu verzichten oder neue Funktionen in Autos mit Downloads freizuschalten. Parallel verliert der Wunsch, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen, an Bedeutung. Dem Internet der Dinge und einem allgegenwärtigen Netz sei Dank, werden stattdessen Konzepte einer Shared Economy und Mobilität als Dienstleistung zum grossen Zukunftsmarkt.

Auf diese Megatrends hat die Autoindustrie längst reagiert. Neben diversen Start-ups haben viele etablierte Hersteller in den vergangenen Jahren verschiedenste Angebote einer Shared Mobility aus der Taufe gehoben. Angesichts der aufkeimenden E-Mobilität, die zudem der sich verschärfenden Anforderungen an eine klima- und ressourcenschonende Kreislaufökonomie Rechnung tragen muss, sind zunehmend ganzheitliche Konzepte und Lösungen gefragt. Mit seiner neuen Marke Mobilize will Renault dieser elektrischen und nachhaltigen Mobilität als Alternative zur klassischen Autonutzung Vorschub leisten.

Mazda

Renault und das «grosse Abenteuer»

Anfang 2021 hat Renault das «grosse Abenteuer» gestartet, wie Unternehmenschefin Clotilde Delbos betonte. Die vergangenen Monate hat die aus dem Boden gestampfte Marke Mobilize dazu genutzt, weitere Säulen eines äusserst heterogenen Geschäftsmodells zu etablieren. Angetreten ist Mobilize zunächst mit dem Automietservice Share, dem Ladedienst Charge Pass sowie mit Smart Charge, das E-Auto-Nutzer beim intelligenten und preiswerten Laden zu Hause unterstützt. Zu den neuen Servicemarken gehören ein Joint Venture mit dem FreeFloating-Carsharing-Anbieter Zitty, die Auto-Abo-Plattform Bipi sowie Power Solutions, Batteriezertifikat und Limo. Power Solutions ist ein Joint Venture mit GP Joule Connect, um Flottenbetreibern mit E-Fuhrpark Lösungen für eine Ladeinfrastruktur anzubieten. Das neue Batteriezertifikat können Besitzer von E-Autos der Marken Renault und Dacia nutzen, um ohne grösseren Aufwand Zustandsanalysen der Traktionsbatterie zu erstellen. Limo soll ein Mietangebot von E-Fahrzeugen sein, das sich speziell an Ride-Hailing-Anbieter wie UberFahrer richtet, die auf ein emissionsfreies Auto umsatteln wollen.

Mobilize setzt sich aus bereits vielen recht unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Weitere sollen hinzukommen. Nicht alle waren von Anfang an geplant, wie Clotilde Delbos einräumt. Es gibt zudem keinen festgelegten finanziellen Rahmen für Investitionen in die vielen Säulen des Unternehmens. Man will intelligent sein, aber nicht zu viel investieren. Dabei müssen die Investments nicht immer gleich in die Gewinnzone führen. Neuen Geschäftsfeldern will man einige Jahre Zeit geben, sich zu entwickeln. «Unsere Aufgabe ist es, die Zukunft zu bauen. Und wer die Zukunft bauen will, muss investieren», sagt Delbos.

Die meisten Angebote von Mobilize sind keineswegs einzigartig. Auch Mercedes oder VW haben eine Reihe von Dienstleistungs-Start-ups gegründet. Was das Renault-Projekt besonders macht, ist die Bündelung vieler zum Teil sehr unterschiedlicher Angebote und Dienstleistungen unter dem Dach einer einzigen Marke, die zudem ihren Fokus klar auf rein elektrische Mobilität sowie auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft setzt. Damit soll Mobilize auch für klassische Autofahrer als nachhaltige Marke wahrnehmbar werden. Es gibt sogar ein Logo, das künftig die Front von echten Autos schmücken wird.

Auf der IAA Mobility wurden vier neue E-Fahrzeuge vorgestellt, die den Mobilize-Kreis mit rötlich orangem Querstreifen trugen. Neben elektrischen Mikrofahrzeugen gehört Limo dazu, die Elektrolimousine, die sich speziell an Taxifahrer richtet. Die viertürige, rein batteriebetriebene Limousine soll in ausgewählten internationalen Märkten zu Flextarifen als komplettes Mobilitäts- und Dienstleistungspaket gewerblichen und privaten Taxidiensten angeboten werden. Seit ein paar Tagen ist eine Testflotte von 40 Fahrzeugen unterwegs, schon im kommenden Jahr sollen die Limo-Taxis mit dem speziellen Branding unterwegs sein.


«Unsere Aufgabe ist es, die Zukunft zu bauen. Und wer die Zukunft bauen will, muss investieren.»

Clotilde Delbos
Renault-Chefin


Zweitverwertung von Akkus ermöglichen

Mobilize will seine Aktivitäten in viele Länder weltweit ausdehnen. Aktuell ist man mit verschiedenen Submarken in insgesamt zwölf Ländern vornehmlich in Europa sowie in Brasilien aktiv. Zu den in Europa aktuell oder zeitnah verfügbaren Diensten gehören der Ladesäulenbetreiber Mobilize Power Solution, die Autovermietung Mobilize Share und das «Advanced Battery Storage»-Programm, das ausgediente Batterien zu grossen Stromspeichern bündelt, mit denen Renault die Energiewende vorantreiben und zudem eine Zweitverwertung von Akkus ermöglichen will. Ausserdem will man im kommenden Jahr in einigen Grossstädten mit Mobilize Limo antreten und den E-Car-Sharing-Dienst Zity nach Madrid und Paris in weiteren Städten Europas lancieren.

Vorerst werden die vielen Mobilize-Marken parallel nebeneinander agieren, und es wird entsprechend für jeden Dienst eine eigene App geben. Die IT-Spezialisten arbeiten daran, dass sich Nutzer mit einer ID bei den verschiedenen Diensten anmelden können.

Vor allem die Bündelung von Kundendaten wird für das Geschäftsmodell von Mobilize grosse Bedeutung haben. Daten sollen dabei auch zu einer wichtigen Geschäftssäule des jungen Unternehmens werden. Die Digitalisierung der Kunden wird auch hier ein Schlüssel zur Mobilität der Zukunft. Mario Hommen