Wer eine leichte Wanderung durch Seelisberg macht, entdeckt überall Zeugen aus einer längst vergangenen Zeit. Bereits bei der Anreise mit dem Schiff nach Treib treffen die Besucher auf das "Haus zur Treib". Das stattliche Haus aus dem 15. Jahrhundert mit den in Blei verglasten Butzenscheiben diente der Alten Eidgenossenschaft einst als Tagsatzungsort. Das Haus soll in den nächsten Monaten in Wert gesetzt werden und dann ab dem kommenden Jahr wieder als Wirtshaus allen offenstehen. Die Ofenbank in der Gaststube bewahrt der Legende nach Personen, welche sich daraufsetzen, drei Tage lang vor einer Verhaftung.
Pilger aus ganz Europa besuchen Seelisberg
Seit genau 110 Jahren bringt die Standseilbahn die Gäste von Treib zum Seelisberg. Eine original erhaltene Sänfte von 1870 zeigt an der Bergstation, wie die Gäste früher Seelisberg erreichten. Entlang der «Geschichtsreise Seelisberg» mit spannenden Hörspielen und Kurzfilmen ist nach wenigen Minuten die Wallfahrtskapelle Maria Sonnenberg von 1666 erreicht. Die Votivgaben, welche zum Teil sogar aus Amerika stammen, zeugen von der Dankbarkeit von Pilgern aus der halben Welt. Am 15. August findet hier der offizielle Wallfahrtstag mit Gottesdienst, Vesper und jazzigem Ausklang am Abend statt. Der Dorfrundgang führt vorbei am Hotel Sonnenberg, das in seiner 150-jährigen Geschichte verschiedene Persönlichkeiten wie Richard Wagner oder Gottfried Keller beherbergen durfte. Durch den Tannwald ist mit angenehmem Schatten bald die Marienhöhe erreicht. Von diesem Aussichtspunkt aus hat der Genfer Maler Charles Giron den Blick auf das Rütli, den Urnersee und die Mythen auf dem Wandbild des Berner Nationalratssaals festgehalten.
Ein Seelisberger als begehrter Diplomat in ganz Europa
Ein kurzer, aber steiler Anstieg führt oberhalb vom Seelisberger Seeli zum höchsten Punkt des alten Gotthardweges, der einst von Basel über den Gotthard nach Mailand führte. Am Eingang zum Anwesen der Familie von Beroldingen erinnert das Standbild von Abraham an die Pilgerreise von Josue von Beroldingen ins Heilige Land von 1518. Der damalige Urner Regierungsrat vermittelte beim Zweiten Kappeler Krieg zwischen den Katholiken und den Protestanten und war in diplomatischer Mission in ganz Europa unterwegs. Er wurde sowohl vom damaligen Papst als auch vom französischen König und vom deutschen Kaiser für seine diplomatischen Dienste zum Ritter geschlagen.
Das Schloss Beroldingen mit der öffentlich zugänglichen Kapelle und dem sehenswerten Rokoko-Altar stammt von 1500. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf das Urner Reusstal. www.seelisberg.com. Christoph Näpflin